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Der Mond, der eben noch so voll und schön und rund und orange am Nachthimmel zu sehen war, bewegte sich plötzlich mit einer unglaublichen Geschwindigkeit auf Lars zu. Lars verstand nicht: je näher der Mond auf ihn zugerast kamm, desto kleiner musste er werden, denn er veränderte seine Größe nicht! Auch nicht seine Farbe. Lars stutzte: Wenn sich der Mond derart pfeilschnell auf mich zubewegt, dann müsste er doch eigentlich irgendwann in den Erdschatten eintauchen und dürfte dann nicht mehr für mich sichtbar sein? Der Mond aber behielt seine Leuchtkraft; vielmehr schien diese noch stärker zu werden…
Was war das? Was passierte? Jetzt veränderte sich auch die Sternenkonstellation; die Sterne schienen vom Mond angezogen zu werden und folgten ihm auf dem Weg zu Lars. Eine unglaubliche Verdichtung geschah, denn sie schienen nun vom Mond angezogen zu werden, und je näher sie ihm kamen, desto schneller flitzten sie durchs All.
Der Mond schien mittlerweile gefährlich klein, und also entsprechend nah zu sein. Lars vermutete, dass er in den nächsten 20 Sekunden bei ihm auf der Erde, mitten in einem kleinen Kaff von Nordfriesland, landen würde. Da plötzlich erhob sich ein riesiges Netz über den Himmel; es war so riesig wie wahrscheinlich ganz Deutschland und dabei oval. Der Mond prallte nun gegen das Netz und schnellte zurück, die ihm folgenden Sterne prallten teilweise auf ihn und ebenfalls zurück; andere änderten wie es ja schon der Mond zwangsläufig tun musste, die Richtung und eilten diesem hinterher, jetzt von der Erde wieder wegstrebend.
Lars rieb sich die Augen. Was war denn das?
Er schob seine visuelle Wahrnehmung auf seine Übermüdung. ‘Ich sollte schnell zu Bett’, dachte er und wandte sich seinem Haus zu.
Was Lars nicht wusste, war, dass in dieser Nacht die riesigen All-Wesen, für Menschen unsichtbar, Mond-Tennis spielten (wie übrigens jede Woche; allerdings dauerte eine Woche bei den All-Wesen ungefähr 10.000 Jahre). Es stimmte also wirklich: Der Mond hatte sich mitsamt den Sternen im All bewegt.
Ich habe mich oft gefragt, wo er wohl ist,
was er jetzt macht, ob er verheiratet ist und Kinder hat
ob er mit seinem besten Freund zusammengezogen ist
Ob er glücklicher Single ist oder
unglücklich seine Bierchen zischt bis er nichts mehr merkt.
Ich weiß nicht, wo er jetzt ist,
ich weiß nicht, wie ich ihn erreichen könnte
die Medien habe ich befragt und wundere mich:
ein Jurist mit prägnantem Namen, und nicht im Internet zu finden?
Kann das sein?
Wo ist er?
Was würde er denken, wenn er wüsste, dass ich manchmal an ihn denke
nur einfach mich frage, was er wohl macht.
Er hatte ein Lieblingslied, das Alexandra sang:
Mein Freund, der Baum, ist tot…
Und er?
Es war einmal ein Baum, der wollte ein wenig mehr von der Welt sehen als das, was er von seinem Hügel, an der er stand, aus sah.
Warum willst Du denn weg, fragte ihn die Heide unweit von ihm. Gefällt es Dir hier nicht mehr?
Doch, schon… antwortete der Baum, aber ich möchte einfach mehr von meinem Leben haben. Und auf die Dauer finde ich es hier ein wenig zu öde an diesem Hügel. Immer der selbe Ausblick, nichts ändert sich…
- Na, das finde ich aber nicht, wandte jetzt die hohe Tanne ein. Seit ich hier stehe, ist unten im Tal diese Stadt gewachsen. Ist das denn nichts? Naja, das schon, aber ist sie nicht ein wenig hässlich?? entgegnete der Baum. So ein Miesepeter, ereiferte der Ginster, Du wirst nirgends froh werden, wenn nicht hier. Woher willst Du das denn wissen, fragte der Baum, Du warst doch auch noch nirgendwo anders, und außerdem bist Du viel jünger als ich, da muss ich ja wohl nicht auf Dich hören!
Beleidigt schwieg der Ginster, und auch die anderen Pflanzen hatten keine Lust mehr auf Diskussionen. Also nahm der Baum seine Wurzeln in die Hand und zog in die Welt.
Erst ging er in das Tal und ärgerte sich über die dreckige Luft und die hässlichen Gebäude. Dann zog er weiter an den Fluss, aber dort war es ihm zu nass. Schließlich wanderte er einen anderen Berg hoch, in der Hoffnung, auf der anderen Seite einen schönen Wald zu finden. Aber nein – auf der anderen Seite waren noch mehr Orte und Felder und kultivierte Landschaft.
Erschöpft blieb der Baum stehen – klar war er erschöpft, ein Baum ist schließlich nicht zum Wandern gemacht! Am liebsten wäre er umgekehrt und wieder nach Hause gegangen, denn mittlerweile hatte er erkannt, dass sein Stammplatz nicht der schlechteste war. Doch leider hatte er sich verirrt und fand nicht mehr zurück.
Schließich fiel er um, der Baum, und vertrocknete. Wie traurig! Wäre er doch nur mit dem, was er hatte, zufrieden gewesen! Dann würde er noch immer glücklich leben.
Heute sollte er nach langer Reise zurück in den Harem kommen… Alle waren deshalb seit dem Tag aufgeregt, als Djamel, der Bote, mit dieser Nachricht kam. Medima und Zohra frisierten und schminkten sich schon seit dem Morgengrauen, während Sumaya wie immer etwas apathisch – wegen der großen Hitze, wie sie betonte – auf den Kissen ruhte. Sie hatte sich noch nicht einmal gekämmt! Medima und Zohra hatten es aufgegeben, sie zu überreden, sich auch für ihn herzurichten; überhaupt hatten sie ihre hochnäsige und gelangweilte ‘Schwester’ satt und versuchten sie kaum mehr, in ihre Gespräche mit einzubeziehen. Sumaya war das mehr als lieb.
Sie fand, dass sie hier überhaupt nicht hergehörte und übersah dabei, dass sie froh sein konnte, in dem Harem eines hochgeschätzten Mannes gelandet zu sein. Ihre Schwestern, die ebenfalls von ihren Eltern verkauft worden waren wie sie, hatten längst nicht so ein Glück. Sie hätte sich eigentlich nicht beklagen dürfen, denn ihr Mann war stets zuvorkommend und freundlich, und in gewisser Weise mochte sie es, von ihm provoziert zu werden. Wenigstens war es nicht langweilig, wenn er kam, so viel stand fest.
Nachdem die anderen beiden Frauen schon komplett geschmückt vor ihr herumgetanzt hatten (‘Na, wie sehen wir aus???’), stand auch Sumaya langsam auf. Sie gedachte ein Bad zu nehmen, danach eines ihrer schöneren Kleider anzuziehen und extra zum Wiedersehen ihre Kette mit den schönen Türkisen um die Hüfte zu schlingen. Mehr nicht, sie würde keinen größeren Aufwand betreiben wie die anderen beiden! Und doch wusste sie schon jetzt, dass es genau das war, weswegen er die heutige Nacht mit ihr verbringen würde. Sie genoss schon jetzt diesen geheimen Triumpf über ihre ‘albernen Schwestern’, wie sie es nannte, die ihr den ersten Platz nicht durch das aufreizendste Kleid streitig machen konnten.
So begab sich Sumaya also in das Bad, das die Sklaven extra für sie vorbereitet hatten. Sie entfernte die Ringe von den Zehen, und dabei passierte es, dass sie nackt das Gleichgewicht verlor und hart auf den Steinboden aufschlug. Rechtzeitig konnte sie sich mit ihrer rechten Hand noch abstützen, damit nicht ihr Kopf auf dem Boden aufknallte, doch dabei rutschte sie noch einmal ungeschickt mit der Hand aus und klemmte sich ihren Daumen zwischen Boden und einem schweren Topf mit üppig wuchernden Pflanzen. Sogleich spürte sie einen starken Schmerz im Daumen, der merkwürdig von ihrer Hand abstand, und sie wusste gleich, was passiert war: Der Daumen war gebrochen. Sie schrie nach einem Sklaven, der sofort den Arzt bestellte. Bis er kam, fluchte Sumaya unflätig und wütend vor sich hin, so dass sich ihr ansonsten gelangweiltes Gesicht in zornige Falten legte.
Der Arzt stützte den Daumen, so gut es ging und umwickelte ihn mit einem festen Verband, der allerdings so gut wie keinen schmückenden Wert hatte. Sumaya fluchte wieder und wieder. Dieser Tag war gelaufen! In mittlerweile nur noch einer Stunde würde er in den Harem eintreten. Bis dahin könnte sie zwar versuchen, sich noch zu reinigen und ihre Kleidung anlegen, aber sie glaubte kaum, dass er ihr heute den Vorrang einräumen würde.
Diana betrachtete ihre Tochter, die am Esstisch, aufgestützt auf einen Ellenbogen, über ihren Übungsbüchern tatsächlich eingeschlafen war. Angela saß da mit geröteten Wangen vom Lernen, und die hohe Stirn, die sie von ihrem Vater geerbt hatte fiel ihr wieder einmal besonders auf. Vor ihren Büchern stand eine Schale mit Pfirsichen, Nektarinen und Pflaumen, daneben eine Flasche Wasser. Ihr Halstuch hatte sie achtlos danebengelegt – kein Wunder, es war sehr heiß im Wohnzimmer, dass sie es abgelegt hatte. Die grob gemusterte Brokatjacke lag ebenfalls auf dem Tisch. Angela ist unordentlich, dachte Diana für sich, und fand sich im selben Augenblick etwas zu hart. Schließlich ist sie mitten in den Prüfungen…
Diana zögerte damit, ihre Tochter zu wecken, damit sie dann wirklich den Weg ins Bett fand. Zu schön war das Bild. Denn Angela war schön: Ihre Nase war wohlgeformt, nicht zu klein und auch nicht zu groß. Die Lippen waren fein geschwungen und zugleich bildeten sie eine feste Linie mit klaren Konturen. In dieser Haltung bewunderte Diana das ebenfalls ausdruckstarke Kinn, das ihrer schnellen Entschlussfreudigkeit genauso entsprach wie ihre oft entschiedene Haltung. Das ganze Gesicht strahlte Intelligenz aus, und das machte Diana sehr stolz. Trotz aller Differenzen zwischen Mutter und Tochter sah sie doch, wie viel Kraft und Klugheit in Angela steckte.
Die Tür zum Flur hinter dem Mädchen stand ein wenig offen, und das warme gelbliche Lich drang von dort in den Raum. Bald, nach ihren Prüfungen, würde Angela durch diese Tür treten und das Zimmer, die Wohnung und vielleicht sogar die Stadt verlassen. Das war der Lauf der Dinge; und doch schmerzte es Diana, daran zu denken. Gleichzeitig wäre es auch für sie das Ende eines langen Zeitabschnitts, und neue, spannende Möglichkeiten würden sich vielleicht für sie entspinnen, wenn die Tochter aus dem Haus war.
Noch eine ganze Weile saß Angela da und betrachtete ihre Tochter. Sie erinnert mich an das schlafende Mädchen von Vermeer, dachte sie, auch dort: so still und anmutig. Schade, dass Angela sich dafür nicht interessiert.
Wenn ich meine Sandalen oder meine Flip-Flops trage
und dazu ein leichtes Sommerkleid übergeworfen habe, vielleicht mit einem Badeanzug darunter,
ein Cappy auf meinem Kopf sitzt und ich
entweder nach Sonnencreme dufte
oder demnächst nach Sonnencreme duften werde
Wenn der Himmel so miliardenmeterhoch weit ist, wie man es sich an einem tristen Novembertag nicht einmal vorstellen kann
Dann fliegt ein hohes Lied durch die Luft, es ist das Lied der Schwalben,
die übermütig verrückte Kapriolen schlagen und dazu vom Sommer singen, der langen, hellen Nächte,
der unbändig blühenden Blumen und von Haut, Sand, Strand, vom Spüren und Verrücktsein
vom sich unbegrenzten Wohlfühlen.
Die Schwalben allein begleiten diese nicht enden wollenden Tage
denn: es ist endlich Sommer.
Ich habe nicht viel Zeit, aber wenn ich kann, bin ich in meinem Garten. Ich möchte nicht sagen, dass ich gärtnere, das tue ich zwar auch, aber zu wenig, um einen Park erstehen zu lassen. Also sage ich nur, dass ich in meinem Garten bin, und dazu gehört, dass ich hier mal etwas herausrupfe, dort etwas pflanze, da hinten zurückschneide oder auch Pflänzchen vorziehe.
Mein Garten besteht aus verschiedenen Beeten, und die meisten tragen Namen bei uns: Mein liebstes Beet ist der Sonnenhügel. Wie der NAme schon sagt, scheint die Sonne hier besonders intensiv, dabei ist der Boden herzlich schlecht. Das wiederum sind perfekte Bedingungen für einige Kräuter. Auf dem Sonnenhügel reihen sich duftender Lavendel an Ysop, Zitronenmelisse, Verbene, Majoran, Salbei und Thymian. Wie schön ist es, sich in die verschiedenen Düfte hineinzuriechen und in ein Duftparadies einzutauchen! Auf demselben Beet streiten sich die Sonnenbräute mit Phlox und roten und gelben Sonnenhüten um den besten Sonnenplatz (und dem wenig vorhandenen Nährstoffen im Boden – ich helfe jedoch nach). Dazwischen wünscht sich die Veronica mehr Platz, und die Margeriten machen der Katzenminze Konkurrenz. Einige Lilien verteidigen ihr Zuhause.
Dann gibt es den Steinhügel mit verschiedenen blühenden Pflanzen, die es lieben, sich zwischen den Steinen ihren Weg zu bahnen. Viele Steine in diesem Hügel sind groß und sehr schön. Es gibt einen, der rosa, braun und anthrazitfarben ist, dazu glitzert er. Daneben sitzt der Buddha, der eine Heiterkeit und Ruhe ausstrahlt, die sogleich auf mich übergeht, wenn ich mich auf die romantische, grün gestrichene gußeiserne Bank niederlasse.
Meine nackten Füße sind dabei auf dem Rasen, der mich an den Sohlen kitzelt. Ich schaue den Hummeln und Schmetterlingen nach, die sich über die Blüten hermachen – besonders der Sommerflieder scheint süchtig zu machen! So bin ich nie allein in meinem Garten, denn mit mir befinden sich unzählige Insekten hier. Manchmal versucht eine Libelle eine hubschrauberähnliche Landung auf einem der Steine, und ich kann den blauschimmernden schönen Korpus und die hauchseidendünnen Flügel untersuchen…
In den Bäumen sitzen oft Amseln und erzählen sich die Neuigkeiten aus unserer Region. Wichtig scheinen sie zu sein – oder wird hier nur geübt für die nächste Zwitscher-Star-Parade?
Manchmal sind es auch die Elstern, die mit ihrem heiseren Krächzen die anderen Vögel vertreiben, dann wieder sind die Tauben auf dem Dach dabei, sich gurrend zu sammeln.
Im Herbst kommt gern das Eichhörnchen vorbei und fragt freundlich nach ein paar Nüssen für den Winter. Es ist so neugierig, dass es manchmal bis zu uns herankommt und uns die Nuss aus der Hand nimmt. Manchmal klettert es auf den Baum und schaut uns in Augenhöhe an, als wollte es fragen: Wie heißt du?
Ich bin gern in meinem Garten. Vielleicht müsste ich mehr in ihm arbeiten. Doch dann frage ich mich, wann er genossen werden kann? Drum wuchert es an einigen Stellen seit Jahren ungehemmt, und ich frage mich, wie ich noch besser die Igel zum Verweilen einladen kann.
