Als ich ein Kind war, war der Januar noch Januar, es war kalt, es lag Schnee, man genoss den Schnee und war ganz im Hier und Jetzt im Januar.

Heute gibt es im Blumenladen schon die ersten Tulpen, ein erster Frühlingsgruß. Ich habe mir eine gekauft: sie leuchtet nun orange-rot vorm Küchenfensterbrett und gibt Kraft und Wärme. Ich mag sie sehr, und dennoch: es ist doch wohl ein wenig zu früh? Es wird bestimmt noch Schnee kommen, im März, kurz und verstohlen, wird uns eine Woche lang Schneemänner und kleine Iglus bauen lassen und den Schlitten herausräumen, und dann wird er gehen, es wird kalt bleiben noch eine Weile – eine zu lange Weile – bis es schließlich im April brüllend heiß sein wird.

Der Januar hat seinen Zauber eingebüßt, vielleicht. Es ist grau, es regnet und ist viel zu warm. Frühlingsgefühle kommen auf und werden, bevor sie sich in unseren Gemütern ausbreiten können, schon wieder in der Kälte zusammenfallen.

Alles ist durcheinander, und wir leben in Gedanken schon zwei oder drei Monate weiter.
Die Tulpe, die mir zwar einerseits Kraft gibt, mahnt mich doch auch gleichzeitig daran.

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