Wie an jedem Morgen war der Fahrstuhl proppenvoll, eigentlich überfüllt. Sportlich wäre es gewesen, die Treppen bis in den fünften Stock zu nehmen, aber nein, Tanja musste sich ja unbedingt zusammen mit den anderen in den Fahrstuhl zwängen! Die Tür schloss sich hinter den 15 Personen.

Gedrückt wurde das dritte und das fünfte Stockwerk. Als der Fahrstuhl am dritten Stockwerk ankam, blieb er leicht oberhalb davon zu stehen. Die Türen klemmten. Sofort entstand eine Welle von Panik; ein junger Mann begann aufgeregt nach Luft zu schnappen, kaum, dass der Fahrstuhl festsaß. Tanja erkannte, dass schnell etwas passieren müsste, allerdings war ihr Verstand klar und kühl. Sie reagierte sofort und drückte auf die vier. Vielleicht würde das etwas nützen?

Und tatsächlich: Der Fahrstuhl setzte sich wieder in Bewegung, hielt ganz normal beim vierten Stockwerk und öffnete die Tür. Erleichtert stolperte die Menge heraus. Es gab niemanden, der noch Lust hatte, den Fahrstuhl bis zum fünften Stock zu benutzen.

Für Tanja war das der Anlass, den Fahrstuhl eine ganze Zeit lang zu meiden; selbst wenn sie keine Panik entwickelt und die kritische Situation nur einen kleinen Moment gedauert hatte, dachte sie noch oft daran zurück, und sie war ein wenig stolz darauf, dass sie in diesem Moment nicht die Panik eingeholt hatte, wie den jungen Mann. 

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