Natürlich haben all diese Leute noch nie darüber nachgedacht, wie es mir eigentlich geht, was ich so treibe in meiner Freizeit und so. Sie betrachten mich als Ding, einen einfachen Plastikjeton, und doch bin ich in der Lage, ihnen durch Besitz meiner Wenigkeit große Freude zu bringen. Ich will nicht sagen, dass mich das stolz macht, denn im Grunde meines Kernes verabscheue ich das Ganze hier. Ich wünschte mir, hier herauszukommen! Doch bislang bin ich noch niemals von hier weggetragen worden, sondern pendele zwischen Spieltisch, Kassenbereich und Ablagebox immer hin und her, wobei ich die allermeiste Zeit in der Box versauere. Oft wurde ich schon geküsst – aber: was soll das auch, ich bin ja schließlich kein verzauberter Frosch!

Im Grunde genommen lasssen mich diese menschlichen Gefühlsaubrüche vollkommen unberührt und kalt. Wozu soll das gut sein? Man ist das, was man ist, diese Tatsache kann man schließlich doch auch ganz nüchtern betrachten! Man muss der Wahrheit ins Auge sehen: diese Leute, die hier am Spieltisch herumlungern, sind größtenteils hochgradig süchtige, die mal gewinnen, mal verlieren. Und ich frage mich, ob die es nicht viel leichter hätten, würden sie ihre Zeit nicht hier am grünen Tisch verbringen, sondern draußen einer besseren Beschäftigung nachgehen.

Was ist das schon wert, hier das alles? Was bin ich schon wert? Ich bin nicht so vermessen, dass ich es als aufwertend empfinde, als wertvoll oder als etwas Besonderes gehalten zu werden. Das ist nur eine falsche Projektion, eine Umkehrung der Tatsachen: Denn ich bin nichts als ein kleiner quadratischer rotes Plastikjeton, zudem weder neu noch ganz sauber.

Also was soll’s.

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