Am Ufer des Teiches standen die Bäume so dicht am Wasser, dass sich ihre Spiegelung im dunklen und stillen Wasser wiederfand. Es war ein Mischwald, in dem der Teich lag, und so waren es die unterschiedlichsten Bäume, die am Stamm nicht in der Erde zu versenken schienen, sondern die eine Fortsetzung im Wasser fanden, bis sich am Ende noch einmal die Krone mit ihrem frischen Grün abzeichnete. Das Wasser war nicht klar. Schwer und schwarz war es, und so war kein Blick auf den Grund möglich. Vielleicht war das Wasser so tief, dass kein Ende kommen würde, egal wie tief jemand tauchte?

Vielleicht war der Teich kein Gewässer, das von einer Quelle im Wald gespeist wurde. Was, wenn an dieser Stelle hunderte, tausende, nein, hunderttausende von Tränen zusammengeflossen waren? Vielleicht von Witwen, die ihre Männer verloren hatten, oder von Müttern, deren Kinder zu früh gegangen sind; oder von Männern, die ihr hartes Schicksal betrauerten? Vielleicht war der Teich nicht dazu gemacht, darin zu schwimmen… Es würde erklären, warum niemals jemand badend in dem Teich anzutreffen war. Was wäre, würde jemand dies unausgesprochene Verbot brechen, sich der Unheimlichkeit des Ortes wiedersetzen und das Wasser mit seinem Körper teilen?

Still war es an diesem Teich. Nichts war zu hören außer Windgeräusche, die vom Kämmen der Bäume herrührte. Wer auf das schwarze Wasser schaute, dessen Gedanken wurden jedoch nicht trüb, sondern klar, als würde der Teich die dunklen Gedanken und die Schwere in sich aufnehmen und einen Menschen erleichtert und froh zurücklassen.

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